Die Schafskälte ist eine
meteorologische Singularität. Zwischen dem 4. und 20. Juni gibt es
in Mitteleuropa einen Kälteeinbruch, der sich vor allem in
Deutschland auswirkt. Die Schafskälte tritt nicht jedes Jahr auf.
Durch kühle und feuchte aus dem Nordwesten einströmende Luft
sinkt die Temperatur um 5 bis 10 Grad Celsius. Den Namen trägt
diese Wetterlage nach den Schafen, die traditionell bis dahin bereits
geschoren wurden und denen der Kälteeinbruch dann durchaus
bedrohlich werden kann.
Die Radler vom Ausgleichssport des TSV Berkheim haben diese Wetterlage
in der diesjährigen Radtour voll zu spüren bekommen. In der
Nacht vor dem Start am 18.06.2010 waren alle Schleusen am Himmel weit
geöffnet und am Morgen war keine Besserung des Wetters in
Aussicht. Dank der genialen Planung durch unseren Guide Günne
wurde kurzerhand Plan "B" herangezogen. Wir starteten nicht wie sonst
immer vom Claus-Hof sondern nutzen die gute Nahverkehrsmöglichkeit
und fuhren ab Oberesslingen mit der S-Bahn ins Heckengäu nach Weil
der Stadt. Durch das Würmtal ging es in den Schwarzwald. Die
Wassermassen der Nacht sorgten dafür, dass die Würm
tiefbraun schlammig und leicht überflutet war. Dick in unsere
Regenkleidung eingepackt erreichten wir als nächstes Etappenziel
Pforzheim. Die kurze Rast wurde von allen Radlern genutzt die dicken
Regenjacken gegen leichte Windstopper zu wechseln, denn "hurra" die
Sonne kam durch und blinzelte ab und an durch die Baumwipfel. Entlang
der Enz führte uns der Weg weiter hinein in den Schwarzwald,
über Neuenbürg erreichten wir Höfen an der Enz. Im Hotel
Ochsen wurde eine Mittagspause eingelegt, die geschickt mit dem leider
verlorenen Spiel der Deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien
kombiniert wurde. Nach dem Spiel führte der Weg bei leichtem
Sonnenschein über Calmbach bis zu unserem Tagesziel Bad Wildbad in
das Hotel Bergfrieden. Unsere (verdreckten) Räder erfuhren eine
besondere Behandlung. Mangels einer Radgarage wurden die Räder im
mit Decken feinsäuberlich ausgelegten Billiardzimmer für die
Nacht abgestellt.
Eines muss man demjenigen der für die Wettergestaltung
zuständig ist zugestehen, die Kontinuität wurde auch am
Samstag gewahrt. Am Morgen war es wieder nass und nur 6-7° C kalt,
also war auch keine Umstellung in der Kleiderordnung nötig. Nach
dem Frühstück nutzten wir die Sommerbergbahn in Wildbad, um
ca. 250 Höhenmeter leicht zu überwinden. Oben angekommen ging
es durch Nebelschwaden und Nieselregen durch eine herrliche
Schwarzwaldlandschaft die leider keine Weitblicke erlaubte. Die
mühsame Fahrt auf dem tiefen Grund führte vorbei an der
Grünhütte, hinauf zum Kaiser-Wilhelm-Turm auf dem Hohloh
(988,3 m ü. NN). Kurz vor dem Turm verabschiedete sich ein
Reifenventil und der Reparaturtrupp rund um Dieter hatte wieder alle
Hände voll zu tun. Der Hohloh stellt die höchste Erhebung des
östlichen Hauptkamms zwischen Murg und Enz im Nordschwarzwalds
dar. Der Hohlohgipfel bildet auch die höchste Stelle der
Gernsbacher Gemarkung. Dort oben haben die gefühlten 3° C und
der wieder zunehmende Regen die Entscheidung sehr vereinfacht, die
Höhenlage zu verlassen und die Regenpassage unten im Murgtal per
Stadtbahn zu überbrücken. Auf der rasanten Abfahrt die uns
gute 650 Höhenmeter ins Tal führte hatten wir noch die Chance
Retter in der Not zu spielen. Mit vereinten Kräften konnte ein
steckengebliebenes Auto wieder flott gemacht werden, die Fahrerin hatte
den Vorbau ihres Fahrzeuges elegant in einer 180° Kurve auf eine
Mauer aufgesetzt. Bei der Fahrt mit der Karlsruher Stadtbahn in
Richtung Alpirsbach lichtete sich der Himmel und blieb dann auch bis
zum Tourende am Sonntag regenfrei. Eine Bushaltestelle mit zwei
schönen langen Bänken wurde von unserem Maître de
Cuisine Manfred kurzerhand in eine Vespertafel umgewandelt. Die
Besetzung des Begleitfahrzeuges sorgte für Getränke und wir
konnten uns so von der nassen und sehr anstrengenden Fahrt durch die
Höhenlagen des Nordschwarzwaldes erholen. Die weitere Fahrt durch
das Kinzigtal bei leichtem Sonnenschein (!) lässt sich in die
Kategorie Genußradeln pur einstufen. Die kleine Stadtrundfahrt im
reizvollen Fachwerkstädtchen Schiltach führte uns an den
Marktplatz mit den vielen Fachwerkbauten, unter anderem dem liebevoll
renovierten Rathaus und dem Apothekenmuseum. In Wolfach wartete bereits
das Begleitfahrzeug auf uns. Eine letzte kleine Rast mit der
traditionellen Schwarzwälder Kirschtorte wurde eingelegt um frisch
gestärkt die letzten 8 km der doch noch schönen Tagesetappe
anzugehen. Zell am Harmersbach mit dem empfehlenswerten Hotel
Klosterbräustuben war schnell erreicht. Der schöne
Wellnessbereich lud noch zu einem Saunagang vor dem Abendessen ein.
In der letzten Tagesetappe fuhren wir wieder ein kurzes Stück im
Kinzigtal zurück um in Hausach nach Hofstetten abzubiegen. Zwei
Wegvarianten standen zur Auswahl. Entweder auf der Bundesstraße
analog der Berkheimer Aufstiegsstrasse oder durch ein Waldstück
mit heftigen Steigungen und kurzen Schiebepassagen vergleichbar mit
einem Albaufstieg. In der Sauna am Vorabend wurde die zweite Variante
festgelegt. Die Strecke hat ordentlich Schweiß gekostet, wurde
aber mit einem kühlen Radler in der Gaststätte Biereck
belohnt. Zuvor musste sich der Reparaturtrupp noch um einen
Speichenbruch mit einem heftigem Achter kümmern.
Anschließend führte der Weg fast ausschließlich
abwärts in Richtung Freiburg dem Ziel der Radausfahrt. Am
Münsterplatz wurde das traditionelle Gruppenfoto geschossen, der
Bus wartete auf uns am Karlsplatz und brachte die Radler zurück
nach Berkheim. Die Gesamtfahrleistung lag bei 194 km, 1.320m Anstieg
und 1.439m Abfahrt. Trotz des schlechten Wetters an den ersten beiden
Tagen war die Tour natürlich auch wegen seiner top Führung
von unserem Guide Günne ein Erlebnis. Wir freuen uns auf das
nächste Jahr.